Gott ist das beste Mittel!

Da sitze ich also im Wartezimmer meines Hausarztes und frage mich einmal mehr, nach welchen Kriterien die Wartezimmerhefte abonniert werden. Werde aber nicht schlau, und schnappe mir die Aargauer Zeitung. Beim Durchblättern stosse ich auf diesen Leserbrief:

Treue ist das beste Mittel

Fassungslos sass ich auf dem Stuhl und traute meinen Augen nicht. Hat denn dieser Herr Rolf Brennwald überhaupt etwas begriffen? Lesen wir das nochmals:

“Mit den drei neuen Plakaten wird dem Betracher suggeriert, dass es völlig normal ist, wenn ‘Frau’ viele Männer hat und ‘Mann’ mit jeder Frau ins Bett steigt.”

Nein, es wird gesagt, dass jeder, höchstwahrscheinlich sogar Ihre Frau, eine Vergangenheit hat.

“Auch gleichgeschlechtliche Beziehungen sind kein Problem.”

Sollten die denn ein Problem sein? Sollte Ihr Steuerbatzeli womöglich lieber für eine Plakatkampagne gegen die Homosexualität eingesetzt werden?

“Einmal mehr […] zutiefst erschüttert […] mir klarmacht, dass ich nicht normal bin.”

Falls Sie es nicht gemerkt haben, die Kampagne richtet sich nicht an Sie. Wenn Sie aber daraus schliessen wollen, dass Sie abnormal sind, dann sind sie a) selber schuld und haben b) gar nicht mal so unrecht. Da ist es nämlich relevant, wie man “normal” definiert, und wenn man das anhand einer überwiegenden Mehrheit von Beziehungen unter 25 Jahren macht, dann sind Sie, Herr Brennwald, allerdings abnormal.

Es stellt sich aber die Frage, ob sich die Stop AIDS Kampagne an Ihrer Vorstellung vom Garten Eden orientieren soll, oder aber an der Realität.

Vielleicht finden Sie an einem Ihrer Hauskreise (jeweils am ersten, zweiten und dritten Mittwoch) oder Ihrer Lobpreis- und Gebetsabende (am vierten Mittwoch) der Freien Christengemeinde SPM mehr Freunde mit dieser Art von Predigt.

4 Comments so far

  1. Rolf Brennwald on April 27th, 2007

    Liebe(r) Claude
    Ja, das ist eine gute Frage die Sie da stellen. Sollen wir uns nach dem richten was wir haben, oder nach dem was wir wollen? Im Zusammenhang mit Aids wollen wir doch alle möglichst wenig Ansteckungsriskien und da ist mein Vorschlag - ob das nun ihren Vorstellungen entspricht oder nicht - immer noch die sicherste Lösung.
    Danke übrigens dass Sie den Leserbrief so aufmerksam gelesen haben und wenn sie zufällig in der Nähe von Olten sind, lade ich sie gerne zu einem Kaffe ein. Ich sehe meinen Gespächspartner lieber in die Augen als in den Bildschirm, ist doch viel persönlicher oder nicht? Wünsche Ihnen noch einen recht guten Tag und hoffe, dass der Arzttermin auch noch etwas positives für Sie hatte.

  2. Carlo on June 5th, 2007

    Nun schaue ich seit dem 27. April mehrmals wöchentlich, ob sich hier was tut, aber die Diskussion scheint tod zu sein. Also möchte ich meine Meinung zum Ausdruck bringen und die Diskussion wieder zum Leben erwecken.

    Für jemanden, der Leserbriefe schreibt, Herr Brennwald, und somit seinen Gesprächspartnern auch nicht eben direkt in die Augen schaut, tun Sie lieber daran, ihre bornierte Meinung Bloggers gegenüber zu revidieren.

    Zum Thema AIDS: Treue, Loyalität und Hingabe an den einen Partner mag ein romantischer Gedanke sein. Leider aber keine Sicherheit, sich nicht mit dem HI–Virus anzustecken. In den 1980gern haben sich viele Menschen bei Bluttransfusionen/ Operationen angesteckt. In solchen Fällen nützt Treue einen Scheiss. Entweder man nimmt also diesen Menschen das Recht auf ihre Sexualität, oder man propagiert den Gebrauch von Kondomen. Diese sind nämlich leider immer noch der einzige und sicherste Weg, sich nicht anzustecken.

    Die Kirche behauptete, rothaarige Frauen seien Hexen. Und sie lag falsch. Die Kirche verneinte das heliozentrische Weltbild. Und sie lag falsch. Die Kirche verdammt das Kondom. Und sie liegt falsch. Aller schlechter Dinge sind drei.

  3. stefan on June 5th, 2007

    Also vor einer Ansteckung bei einer Bluttransfusion schützen auch Kondome nicht, aber das ist glaubs nicht der Punkt hier. Es geht wohl vielmehr darum, ob Vertrauen alleine ausreicht, oder ob Kontrolle nicht doch besser ist und das muss letztlich jeder selbst entscheiden. Es gehört aber halt zur Tradition der Kirche und anderer religiöser Entitäten, das Individuum in seiner Wahlfreiheit zu beschneiden, daher überrascht mich deren Haltung nicht sonderlich. Frei nach dem Motto “AIDS trifft nur Sünder, Drögeler und Schwarze” vermisst man vielleicht die Möglichkeit, AIDS-Kranken die Inquisition auf den Hals zu hetzen, lebt aber ansonsten untangiert von den Realitäten des Lebens, eingelullt in seiner Fantasiewelt mit Gückel oder Kreuz obendrauf.

    Wie dem auch sei, die Debatte erübrigt sich angesichts der alltäglichen Realität und des glücklicherweise schwindenden Einflusses der Kirchen.

  4. Carlo on June 6th, 2007

    Ich war kürzlich in Afrika. Den Einfluss, den die Kirche dort hat, ist beängstigend. Die Kirchen sind täglich pumpenvoll, die Menschen zu ungebildet, um die Aussagen der Kirche zu reflektieren.

    Die Anzahl der an Aids Erkrankten nimmt in ganz Afrika nachwievor zu. Weder die Regierungen noch die Kirchen scheinen interessiert zu sein, das Problem ernsthaft anzugehen.
    Die Anti Aids Kampagnen thematisieren Treue und Liebe in Gottes Namen und wenden sich meistens an die Frau: vögelt nicht dauernd ‘rum!

    Leider eher lustig als wirkungsvoll sind diesbezüglich folgende Werbeclips:

    http://www.youtube.com/watch?v=GiG9MaGSN64
    http://www.youtube.com/watch?v=NeoPcEIypwA
    http://www.youtube.com/watch?v=D76SMAe84B8&mode=related&search=

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