Musikdownloads in der Schweiz

Im Eidgenössischen Parlament wird ein neues Gesetz entworfen, womit verhindert werden soll, dass die armen Plattenfirmen womöglich noch bankrott gehen. Die Stiftung für Konsumentenschutz liefert uns dazu ein PDF mit klärenden Worten und sogar Tipps, mit welchen Tools man Kopierschütze umgehen darf. Offenbar ist nach dem neuen Gesetz alles gleich, ausser dass man keine Kopierschutzknacktools mehr anbieten darf.

Handlungshilfe Musikdownloads

15 Comments so far

  1. Sam on April 11th, 2007

    Das sind immer die besten Gesetzesbeschlüsse, bei denen nachher alles bleibt wie zuvor. “Da die Kopiersperre mit dem neuen Gesetz gestärkt wird, werden immer mehr CDs und DVDs mit Kopiersperre auf den Markt kommen” – hoffentlich stellt sich das als Irrtum heraus, weil die Industrie merkt, dass sich der gewöhnliche Konsument durch diese Sperren nur gegängelt fühlt und der kriminelle Kopierer sie sowieso umgeht. Es gibt ja einige Anzeichen in diese Richtung.

  2. Claude Henchoz on April 11th, 2007

    Ja, da sieht man mal wieder, wie lange es geht, bis revolutionäre Beschlüsse bei uns ankommen. Böse Zungen sagen ja aber, dass es EMI nur darum ging, von 99 cent auf 1.29$ zu kommen… kopiert wird ja eh, ob es nun DRM hat oder nicht.

    Ich für meinen Teil fühle mich von DRM nicht gegängelt. Meine (offensichtlich legalen) Downloads sind selten mit DRM versehen.

  3. Carlo on April 12th, 2007

    Sollte man wegen zur Verfügung stellen von Musik oder Filme angeklagt werden, wird dann die Strafe aufgrund der Anzahl upgeloadeten Bytes ausgesprochen? Bzw. ab welchem Anteil einer hochgeladenen Musik- oder Videodatei spricht man von “Song” und “Film”?

  4. Claude Henchoz on April 12th, 2007

    Gute Frage. Falls es sich nur um ein ‘Anbieten’ handelt, wenn man die ganze Datei zum Download freigibt, müsste mal jemand einen Bittorrent Client für die Schweiz programmieren, der bei allen gesharten Files immer ein einziges Byte eben gerade nicht zur Verfügung stellt. Wenn dann jede Installation dieses Clients zufällig immer ein Stücklein aussucht, dann sollte es auch nie zur Situation kommen, dass allen genau dieses eine Byte fehlt.

  5. Sam on April 12th, 2007

    Egal. Die Zukunft gehört sowieso der Kulturflatrate! Und dem jederzeitigen, von-überall-her Zugriff auf alle Kulturerzeugnisse, die die Menschheit je hergestellt hat. Wobei ich nicht weiss, ob ich das gut finden soll, weil ein grosser Teil davon sowieso Müll ist.

  6. stefan on April 12th, 2007

    Super, endlich für all die Popnutten, R’n'b-Schwuchteln und Berndeutschsänger bezahlen. Wenn’s dann soweit ist dreh ich mich hoffentlich nur noch im Grab um…

    Geregelt wird das dann sicher über die Billag, welche damit ihre Blutsauger-Miniarmee aufstockt und *noch* behindertere und längere Fernsehwerbespots (!) auf unsere Kosten laufen lassen wird…

    Andererseits traue ich der Musikindustrie überhaupt nicht. So lange sie irgendeine Möglichkeit dazu haben, werden sie uns Kunden verarschen (die Geschichte bestätigt das). Dass bei uns “nur” das “Anbieten von Kopierschutzknacktools” verboten sein soll, ist gerade darum trotzdem ärgerlich. Klar, ich kann’s von sonstwo herunterladen, aber zum Durchführen einer legalen Handlung notwendige Werkzeuge sollen meines Erachtens auch legal sein. Sowohl deren Erwerb als auch der Vertrieb.

  7. Claude Henchoz on April 12th, 2007

    Stefan, Du hast absolut Recht. Aber ist es mit dieser Kopierschutzknacktoolsregel nicht einfach genauso beschissen wie mit dem (unbezahlt) Downloaden schlechthin? Downloaden darfst Du, Anbieten aber nicht. Wir Schweizer sind mit diesem Rechtsstand eigentlich dazu gezwungen, der Community _nichts_ zurückzugeben. *Darum* hassen uns alle!

  8. Sam on April 12th, 2007

    Man kann es ja drehen und wenden wie man will, korrekt wäre eigentlich, alle Autoren für ihre Arbeit zu entlöhnen, es sei denn sie verzichten freiwillig darauf. Deswegen ist diese Diskussion, ob man diese Knacktools kaufen dürfen soll, doch eher hinfällig (böse Industrie und der Realität hinterherhinkende Gesetzeslage hin oder her).

    Eine Alternative zur Kulturflatrate wäre vielleicht: mehr Kulturförderung. Oder anders gesagt, eine Angleichung dessen, was der Staat für Kultur ausgibt an das, was er, sagen wir mal, für die Landesverteidigung ausgibt. Wobei wir dann wieder beim Problem der Verteilung wären. Am Ende würden es wieder die kriegen, die einen im Verteilungsgremium kennen und dann nichts machen, als faul in ihrem Berliner Gratisatelier rumzusitzen, hehe…

  9. Claude Henchoz on April 12th, 2007

    Noch mehr Kulturförderung? Sicher nicht!

    Und, man darf die Tools schon kaufen, nur verkaufen darf man sie nicht. Oder zum Download anbieten.

  10. stefan on April 12th, 2007

    Ja, wer entlöhnt sein will soll mit dem Verkauf von CDs, Downloads etc. die Möglichkeit dazu haben. Wer sich so eine Kopie des Werks erwirbt, soll aber ebenfalls die Möglichkeit haben, dies so zu hören, wie er will. Ich für meinen Teil sehe einfach davon ab, Downloadmusik zu kaufen, bis sie in CD-Qualität erheblich günstiger ist als eine “richtige” CD (mit integriertem Langzeitbackup) zu haben ist, sowie ich auch keine “geschützten” Krüppel-”CDs” kaufe und bin darum gezwungen, Musik die “nicht schlecht” ist per Bittorrent oder Esel herunterzuladen - in diesem Fall ohne Kompensation an den Künstler. Grandiose Meisterwerke kauf ich mir weiterhin auf CD, wenn sie denn unverkrüppelt ist. Sollte es aber irgendwann einen Downloaddienst geben, bei dem ich ein Album in guter Qualität (FLAC, oder wenn’s denn sein muss min. 192k mp3s oder gute oggs) für maximal 10 Stutz DRM-frei haben kann, wäre das durchaus interessant. Andernfalls können meinetwillen all die halbschlechten Bands den Hungertod sterben oder, Gott behüte, nebenbei einen richtigen Job annehmen.

  11. Carlo on April 12th, 2007

    Da ich mich als Kulturschaffender sehe, wünsche ich mir einfach, dass ich von einer sehr reichen Produktionsfirma unter Vertrag genommen werde. Dann kann ich meine Filme unter meinem Pseudonym illegal anbieten. Sollte mich die Produktionsfirma ausfindig machen und verklagen, dann kann ich sie einfach freundlich daran erinnern, dass sie ohne meine kreative Genialität gar kein Produkt hätten *ätsch*.

  12. stefan on April 12th, 2007

    als ob sie das interessieren würde…

  13. Carlo on April 14th, 2007

    Willst du damit etwa meine kreative Genialität in Frage stellen?

  14. stefan on April 14th, 2007

    Einerseits natürlich ja, andererseits meinte ich aber eigentlich, dass Du noch so kreativ genial sein kannst und letztlich für die Industrie trotzdem nur eine Nutte bleibst. Die ungeheure Menge äusserst mieser Sequels (Matrix, The Crow, From dusk till dawn, Blues Brothers, Starship Troopers etc.) zeigt doch klar, dass die Filmbranche nicht an Kreativität interessiert ist sondern sich für ein paar Scheinchen nur allzu gerne penetrieren lässt. Auch Du wirst so enden, mein lieber Carlo.

  15. Carlo on April 14th, 2007

    Darüber, dass du meine kreative Genialität in Frage stellst, kann ich mich natürlich nicht erfreuen. Filme- und Musikmachen kann aber durchaus mit kreativen Interesse verbunden sein, der Prozess der künstlerischen Schöpfung ist bestimmt nicht einfach auf Kosten der kommerziellen Ausnutzung verschwunden. Welchen Stellwert er in unserer Gesellschaft noch besitzt, ist die interessante Frage.

    Ob ich als Nutte der Industrie enden werde? Natürlich werde ich nicht stur mein kreatives Genie durchsetzen wollen, wenn es die Menschheit noch nicht erkennen will. Trotzdem, für MacDonalds würde ich keine Werbefilme drehen und würde mich Blocher, Leuenberger oder Berlusconi fragen, ihre Ideale zu verfilmen, dann würde ich ablehnen und vielleicht zurück zur Bluewin gehen und blöde Kunden supporten. Meiner Ansicht nach, würde ich mich somit für das kleinere Übel entscheiden.

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