Da sitze ich also im Wartezimmer meines Hausarztes und frage mich einmal mehr, nach welchen Kriterien die Wartezimmerhefte abonniert werden. Werde aber nicht schlau, und schnappe mir die Aargauer Zeitung. Beim Durchblättern stosse ich auf diesen Leserbrief:

Fassungslos sass ich auf dem Stuhl und traute meinen Augen nicht. Hat denn dieser Herr Rolf Brennwald überhaupt etwas begriffen? Lesen wir das nochmals:
“Mit den drei neuen Plakaten wird dem Betracher suggeriert, dass es völlig normal ist, wenn ‘Frau’ viele Männer hat und ‘Mann’ mit jeder Frau ins Bett steigt.”
Nein, es wird gesagt, dass jeder, höchstwahrscheinlich sogar Ihre Frau, eine Vergangenheit hat.
“Auch gleichgeschlechtliche Beziehungen sind kein Problem.”
Sollten die denn ein Problem sein? Sollte Ihr Steuerbatzeli womöglich lieber für eine Plakatkampagne gegen die Homosexualität eingesetzt werden?
“Einmal mehr […] zutiefst erschüttert […] mir klarmacht, dass ich nicht normal bin.”
Falls Sie es nicht gemerkt haben, die Kampagne richtet sich nicht an Sie. Wenn Sie aber daraus schliessen wollen, dass Sie abnormal sind, dann sind sie a) selber schuld und haben b) gar nicht mal so unrecht. Da ist es nämlich relevant, wie man “normal” definiert, und wenn man das anhand einer überwiegenden Mehrheit von Beziehungen unter 25 Jahren macht, dann sind Sie, Herr Brennwald, allerdings abnormal.
Es stellt sich aber die Frage, ob sich die Stop AIDS Kampagne an Ihrer Vorstellung vom Garten Eden orientieren soll, oder aber an der Realität.
Vielleicht finden Sie an einem Ihrer Hauskreise (jeweils am ersten, zweiten und dritten Mittwoch) oder Ihrer Lobpreis- und Gebetsabende (am vierten Mittwoch) der Freien Christengemeinde SPM mehr Freunde mit dieser Art von Predigt.